Warum Du viel planst – aber dennoch nie anfängst

Warum Du viel planst, aber dennoch nie anfängst.

Kennst Du Beppo?

Eine Geschichte über Zeit und Deinen nächsten Schritt

Beppo ist ein Freund von Momo, einer Figur aus Michael Endes gleichnamigen Roman. Momo ist ein junges Mädchen, dass andere durch ihre Fähigkeit zuzuhören dazu bringt, von sich zu erzählen und wieder an sich selbst zu glauben. Sie kämpft in der Geschichte gegen die „Agenten der Zeitsparkasse“, die die Menschen dazu bringen wollen, ihre Zeit „für später“ aufzuheben. Das Problem ist, dass die Menschen in ihrer Hektik und dem Bedürfnis Zeit „für später“ zu sparen vergessen, den Augenblick und das Leben mit all seiner Schönheit zu genießen. Und „später“ wird dafür keine Zeit bleiben.

Beppo und Momo sprechen beim Essen darüber, wie schwer es Momo fällt, lesen zu lernen, da es „so viele Worte“ gibt, da der Weg so lang und das Ziel so weit entfernt scheint.

So beginnt Beppo Momo von seiner Arbeit zu erzählen: Als Straßenfeger muss er jeden Tag scheinbar endlose Straßen kehren. Er erzählt von dem Gefühl und der Angst, niemals mit seiner Aufgabe fertig zu werden. Denn immer, wenn er von der Straße aufsieht, scheint es, als wäre die Distanz nicht kleiner geworden. Und so beeilt er sich und strengt sich noch mehr an.

Doch wenn er nicht an die ganze Straße denkt, sondern seine Aufmerksamkeit nur auf den nächsten Atemzug, auf den nächsten Besenstrich lenkt, vielleicht auch gelegentlich eine kleine Pause macht und innehält, um die Sonnenstrahlen zu genießen oder auch dem Gezwitscher der Vögel zuzuhören, „dann macht es Freude“.

Und wenn die Arbeit Spaß macht, macht man sie sorgfältig.
Wenn die Arbeit Spaß macht, hat man irgendwann, ohne sich verausgabt zu haben, Stück für Stück die ganze Straße gekehrt.

Vielleicht kennst Du das Gefühl, vor einer scheinbar endlos langen Straße zu stehen.
Das Gefühl, dass Dein Ziel unglaublich weit entfernt scheint und Du nicht weißt, wie Du es jemals erreichen sollst.

Vielleicht bist Du mit Deinem Beruf nicht mehr zufrieden.
Du willst keine Zeit mehr vergeuden und endlich das tun, was Du liebst.
Aber Du müsstest nochmal von vorne beginnen.
Du müsstest wieder anfangen dazuzulernen und auf die bisherigen, auch finanziellen, Sicherheiten verzichten.

Wie erreicht man ein Ziel normalerweise?
Man erstellt sich einen guten Plan.

Also planst Du. Du überlegst, was Dir gefallen könnte, was nächste Schritte sein könnten, und natürlich: Was die Risiken sind. Was passieren kann.
Doch je mehr Du Dich mit all den Risiken beschäftigst, desto mehr mögliche Probleme fallen Dir auf.
Vielleicht bereitet es Dir Sorgen, dass Du nicht mehr Dein bisheriges Gehalt bekommst, wenn Du eine Umschulung machen oder studieren möchtest.
Vielleicht bereitet es Dir Sorgen, dass z.B. eine Selbstständigkeit auch scheitern kann.
Vielleicht bereitet es Dir Sorgen, was Freunde und Bekannte sagen würden.

Je mehr mögliche Probleme Dir bewusst werden, umso genauer planst Du.
Für jeden Fall einen Plan B.
Für die ersten Schritte funktioniert Dein Vorgehen.
Doch je weiter Du in die Zukunft denkst, desto unklarer und unberechenbarer gestalten sich die Aufgaben, die es irgendwann zu bewältigen gilt.

Du wirst unsicher. Du bekommst Angst. Und diese Angst lähmt Dich, auch nur den ersten Schritt zu tun.
Du fängst gar nicht erst an

Alles bleibt, wie es ist…

 

Betrachten wir die Situation einmal aus einem anderen Blickwinkel.

Stell Dir Deinen Weg zum Ziel wie eine Reise vor.

Was ist wichtig zu Beginn einer Reise?

Du musst Dein Ziel kennen, das Ende der Straße.
Du musst Deinen Standort kennen und für Dich herausfinden, wo Du in Deinem Leben stehst.
Und Du musst den nächsten Schritt kennen.

Wenn Du eine weite Strecke zurücklegen möchtest, musst Du nicht den ganzen Weg sehen. Es reicht, wenn Du, wie ein Autofahrer bei Nacht, die nächsten Meter im Scheinwerferlicht siehst. Und so wirst Du auch ohne jedes Schlagloch, geschweige denn den ganzen Weg zu kennen, am richtigen Ziel ankommen.

Wenn Du Dein Ziel kennst, und weißt, wo Du stehst, frage Dich: Was ist der kleinste Schritt, den Du jetzt gehen kannst, um Dein Ziel zu erreichen?

Der kleinste Schritt ist immer machbar. Wenn Du ihn gehst, hast Du ein Erfolgserlebnis. Auch wenn es klein ist – es motiviert Dich, am Ball zu bleiben.
Es motiviert Dich, geduldig zu sein.
Es lehrt Dich, auch mit Rückschlägen umzugehen und dieser nächste kleine Schritt hilft Dir, die Angst vor dem Ungewissen abzulegen.
Warum hetzt Du Dich und machst Dir Sorgen wegen Hindernissen, die vielleicht nie eintreten?
Wie Seneca, ein Philosoph, der vor ca. 2.000 Jahren gelebt hat, bereits so treffend formuliert hat:

„Ein Mensch, der leidet, bevor es nötig ist, leidet mehr als nötig.“

Wenn Du Dir Sorgen machst, lebst Du in der Zukunft.
In einer Zukunft, die Du unmöglich weiter planen kannst als maximal ein paar Wochen.
Doch wenn Du Dich auf das konzentrierst, was Du jetzt kannst, auf Deinen nächsten Schritt und auch mal innehältst, um zu genießen, was das Leben außerhalb Deines selbst geschaffenen Tunnelblicks auf das Ziel zu bieten hat,
dann kannst Du einen Fuß vor den anderen setzen.
Dann kannst Du die gleichen Ergebnisse erzielen und bist nicht außer Atem, wenn Du Dein Ziel erreichst.

Du hast aus später jetzt gemacht.

Was hast Du Dir bisher „für später“ aufgehoben?

Und was ist Dein nächster Schritt?

Womit fängst Du jetzt einfach an?